Die Fehler der Content-Industrie - Bust all Majors!

In der digital vernetzten Welt ist ein Krieg entbrannt. Nicht der "Cyber-War" von Osbama, sondern der Kampf der Inhaltsanbieter gegen die "kriminellen" Konsumenten. Es ist die Idealvorstellung des nicht-mündigen Konsumschafs, das die Film- und Musikfirmen in erster Linie hegen, Preise untereinander absprechen und für absolut lächerliche Beträge minimalste Leistungen bieten. Das Schlaraffenland, gäbe es nicht die aufmüpfigen Torrent-User und Filesharer, die genau die gleichen Inhalte an Freunde und auch Fremde kostenlos weiterleiten.

Doch halt, wie konnte es erst so weit kommen?

Das eigentliche Drama begann damals mit der Abkürzung MP3, welche eine effiziente Verkleinerung von Musikdateien auf Computern ermöglichte. Schnell wurden also kleinere Sammlungen von Musik auf heimischen Festplatten ermöglicht, so manch einer hat zu dem Zeitpunkt vielleicht schon gebrannte CDs mit hunderten dieser Dateien getauscht und verbreitet. Doch hielt sich die Verbreitung noch in Grenzen, in erster Linie wegen langsamen Internetverbindungen zu Hause und relativ kleinen Festplatten zu diesem Zeitpunkt. Wer jedoch um die Jahrtausendwende an einem Uninetzwerk saß und die Bekanntschaft mit Kazaa machte, dem wurde schnell bewusst, was diese Technologie für die Zukunft bedeuten würde.

Spätestens hier hätte die Contentindustrie gegensteuern und sich diesen neuen Technologien gegenüber öffnen müssen. Passiert ist aber lange Zeit nichts, von den üblichen Wehklagen rund um verlorenen Umsatz abgesehen, doch diese alte Leier wurde lange schon nur noch wiederholt. Die Argumente der 1970er und heutigen Industrie gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Hat da jemand vielleicht Copypasta zubereitet? Wie auch immer: Die Dimension war eine neue. Denn während "Hometaping is killing music!" lediglich dazu beitrug, diverse Stücke in minderer Qualität aufnehmen zu können, so konnten über das Internet komplette Alben in Sekunden übertragen werden. Das einzige, was sich änderte, war die Verbreitungsgeschwindigkeit, doch die war enorm.

Nach diversen Versuchen der Industrie, mittels stark eingeschränkter und daher unattraktiver Angebote im Internet ein Geschäft sich aufzubauen, hatte sich Apple 2004 mit dem iPod derart im Musikmarkt eingebürgert, dass Ressourcen zur Verfügung gestellt wurden, einen "Music Store" zu eröffnen. Gemessen an der Popularität war es sofort ein Riesenerfolg, doch natürlich gab es im Vertragswerk zwischen Apple und den Anbietern gewisse Rahmenbedingungen. Der Heilsbringer der Content-Industrie sollte das DRM sein - wenn etwas nicht dupliziert oder verteilt werden kann, dann wird wohl auch keine Kopie davon gemacht? Natürlich ist das Blödsinn - so lange man sich etwas anhören kann, kann es auch aufgezeichnet werden, lediglich die Hürden werden höher gelegt. Aber welchen Geizkragen hält das ernsthaft von einem Vorhaben ab? Ganz unter uns gesagt: Wenn man eine ungeschützte CD zu einem guten Preis bekommt, warum sollte man sich überhaupt mit DRM abgeben? Entsprechend laut wurden die Beschwerden zur Abschaffung der Schutzmaßnahmen, welches schlussendlich auch geschah. Hatte dies finanzielle Verluste zur Folge? Irgendwelche Statistiken der Content-Industrie würden gewiss die Zahlen so drehen, dass es danach aussähe. Doch den Kunden interessiert das alles nicht: Was bequem ist und günstig, wird auch gekauft, das gilt auch und insbesondere im Internet. 

Mit den immer schneller werdenden Übertragungsgeschwindigkeiten und größerem Speicherplatz geriet ein weiterer Zweig der Unterhaltungsbranche ins Fadenkreuz der Datenschaufler: Die Filmindustrie. Durch ein sehr cleveres Übertragungssystem namens Bittorrent konnten große Dateien wie z.B. auch Filme problemlos in hoher Geschwindigkeit schnell verbreitet werden. Natürlich wurden die Filmfirmen der Welt nervös: Was kann man gegen solche Verbreitung unternehmen, die unentgeltlich Filme durch die Gegend schickt? In jeder anderen Branche wäre die richtige und natürliche Antwort gewesen: Man muss mit dem Angebot konkurrieren! Doch die Chefetage, der nicht nur das Filmstudio, sondern auch das Plattenlabel gehört, sagte ganz in der Tradition der letzten 30 Jahre: "You can't compete with free" (das "by theft" lasse ich hier außen vor, da eine Kopie schließlich kein Diebstahl ist).

Tja, hätten sie es besser mal gemacht. Würde man mir die Wahl geben zwischen einem katastrophalen Kino.to-Stream und einem legalen Download ohne den ganzen DRM-Mist für Betrag X, würde ich vermutlich gerne auch was bezahlen. Aber einen Moment, ich greife vor.

Nun, statt sich in den Kampf zu stürzen und Methoden zu entwickeln, wie man aus den neuen Technologien Geld schlagen könnte als DRM-, sorry, Content-Provider, erinnerte man sich an das gute alte Verhalten auf dem Schulhof, wie es reiche Contentproviderkinder gelernt haben. Erst heulen, dann zum Lehrer gehen und ihm ein paar Hunderter in die Tasche stecken, damit der andere eine Verwarnung bekommt, weil er schneller war und seinen Lolli deiner Angebeteten geschenkt hat.

Nun muss man nur noch diese Szene ummünzen auf Politiker und Gesetzgebung gegen die "bösen" Raubkopierer und schon haben wir die gegenwärtige Situation umschrieben. Es ist schließlich deutlich sichtbar, wie sich das Verhalten der Industrie auf die Gesetzgebung auswirkt, es wird lediglich ein möglichst reißerischer Vorwand hingehalten, um die nächste Unterjochung der aufsässigen Konsumschafe per Gesetz zu billigen, sei es "Kinderporno" oder "Terror" oder "Sicherheit" oder oder oder...

Um die lieben Politiker gutmütig zu stimmen muss natürlich auch Geld fließen, doch woher nimmt man das, ohne die Gewinnmarge zu drücken? Ach ja, man nehme ein paar Anwälte, die sich nicht zu schade für den Job sind und schicke jede Menge Liebesbriefe an Nutzer von Bittorrent-Netzwerken und anderen Filesharing-Protokollen. Pro Brief soll natürlich so viel wie möglich abkassiert werden, ein paar Hundert Euro sind für einen Brief schon drin. Wobei aber nachweislich auch schon unschuldige Benutzer angeschrieben wurden oder in Kanzleien teils derbe Fehler passiert sind.

Dieses komplette "Raubkopierer sind Verbrecher"-Gehabe und das Kriminalisieren der Kunden ist unerhört und ließe sich in normalen Geschäften niemals so durchsetzen, wie es derzeit mit Internetnutzern praktiziert wird. Wer würde schon eine Ganzkörperabtastung vor Betreten des Supermarkts in Kauf nehmen? Oder wenn man nach dem Bezahlen "stichprobenartig" vom Sicherheitsdienst den Einkaufswagen und alle Taschen durchsucht bekommt? Nacktscanner? Oh stimmt, keine Sorge, was am Flughafen funktioniert, funktioniert bestimmt auch genau so im Media Markt in Ihrer Nähe!

Mit dieser Taktik des Schreckens versucht man nun mit den Onkeln in den Anzügen in den Regierungen überall auf der Welt, die Leute davon zu überzeugen, dass man Medien nur mit gutem Gewissen konsumieren kann, wenn man dafür bezahlt hat, selbst wenn die Preise irrwitzig hoch für die gebotene Leistung sind. Die neueste Kopfgeburt der Industrie ist schon mehr als frech: 30$ für das Ausleihen (!) eines Films, bevor er regulär zu leihen ist? Der ganze 3D-Zuschlag, den man im Kino bezahlt, geht natürlich an die marode Filmwirtschaft, als ob nicht schon genug Geld von dem Ticket an die Filmstudios gingen. Natürlich könnte keiner in den Studios mal auf die Idee kommen, dass die grassierende Ideenlosigkeit (korrelierend mit der Fixierung auf Gewinnaussichten) in den erzählten Geschichten daran schuld wäre. Warum sollte man wirklich für die letzte Adam Sandler RomCom etwas freiwillig bezahlen? Tipp: Eure Geschichten werden auch in 3D nicht besser. Wie gut, dass sich viele Leute von Avatar blenden ließen, da zum einen Final Fantasy nicht bekannt war und zum anderen der Film nicht passender "Der mit dem Alien tanzt" genannt wurde.

Ehrlich gesagt, je länger ich diesen Artikel schreibe, um so mehr vergeht mir die Lust, am Wochenende ins Kino zu gehen. Doch was kann man an dieser ganzen Misere ändern? Ich sag es euch:
Wir rächen uns!

Zuerst muss man verstehen: Wenn etwas pauschal von allen gemacht wird, ist es nicht mehr zu kriminalisieren, da es gesellschaftlich akzeptiert ist. Ist dies mit Filesharing bereits der Fall? Generell betrachtet könnte man das bejahen, da die meisten Menschen eher lax mit Urheberrechten (auch den eigenen) umgehen. Wie kann man nun all den Contentmogulen ein Schnippchen schlagen?

Indem man den Spieß umdreht.

Wenn jeder Einzelne zum Erzeuger von ach-so-wichtigem "Intellectual Property" wird, ist es im Umkehrschluss nicht mehr notwendig, auf die traditionellen Quellen angewiesen zu sein. Wenn jemand ein Video produziert und es komplett selbst erstellt, ist es seine Arbeit, und ER kann damit machen was er will, und keine Content-Industrie der Welt kann etwas dagegen tun. Gleiches gilt für Musik, Text und alles was man sonst so mit Computern übertragen kann. Also legt los. Werdet selbst zur TV-Show, zum Autor, zum Musiker, zum Künstler und verbreitet unter euren Lizenzen und Bedingungen (Creative Commons ist da eine gute Anlaufstelle) eure Werke!

Je mehr Leute dies machen, desto größer ist die Auswahl, und je mehr Leute sich in einem Netzwerk zusammenfinden, um etwas gemeinsam zu produzieren, desto höher wird auch die Qualität ausfallen. Mit jedem Steinchen, das in den Pool des unendlich weiten www geworfen wird, werden Wellen erzeugt, die die traditionellen und korrupten Medienanbieter überflüssig machen.

Ach, und man kann es auch noch ihnen dann heimzahlen: Auf bustallmajors.com steht, wie man den Leuten das Gefühl geben kann, wie es ist, wenn man auf Youtube ein Video anschauen will und dann ist es "in deinem Land nicht verfügbar". Tut uns das dann noch leid? Nein.

Also los geht's, produziert etwas. Was auch immer es ist, sei kreativ, sei du selbst, mach ein wenig Magie hier im Web.

Ich habe soeben einen kleinen Beitrag dazu geleistet.


Tip

© Christian Wüst 2014 - Impressum - Kontakt