Flattr vs. Tip The Web

Bevor ich mit diesem Text beginne, muss ich ausdrücklich sagen, dass ich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder extreme Detailgenauigkeit erheben kann, einfach aus dem Grund, weil ich als Einsteiger in der Benutzung dieser Services nur geringe Erfahrungen mitbringe - und diese Erfahrungen und Einschätzungen möchte ich hier mitteilen.


Wer kennt sie nicht, die Bezahlfunktionen diverser Anbieter im Internet. Schon vor vielen Jahren machte ein junges Unternehmen namens PayPal Furore, wurde im Laufe der Zeit immer größer und wurde schließlich vom eBay-Konzern geschluckt. Inzwischen ist das Unternehmen sogar als Bank registriert, doch hört man stetig von Problemen mit dem Service. Wer zu große Umsätze tätigt, bekam nicht selten sein Konto eingefroren, bis alle Fragen geklärt waren, selbst wenn alles seine Richtigkeit hatte. Auf dieses Einkommen angewiesen zu sein wäre eine fatale Kombination, und das hat leider schon so manchen Selbstständigen böse erwischt.


Lange Zeit war das PayPal-Button fast überall zu sehen, um Beträge im Internet zu übertragen. Doch inzwischen haben sich neue Konkurrenten - oder sollte ich vielleicht sagen, Partner - herauskristallisiert, die sich auf sogenannte Micropayments, also Zahlungen in extrem geringer Höhe, spezialisiert haben.


Das Problem mit den Micropayments war, und ist im Grunde auch aktuell noch, dass die Banken, Kreditkartenunternehmen und Dienstleister allesamt ein Stück von dem Kuchen abhaben wollen. Bei Beträgen von unter einem Euro lohnt sich daher der Aufwand nur selten, weil von niedrigen Beträgen geradezu horrende Scheiben an den Dienstleister abgetreten werden müssen.


Meine persönliche Frage ist nun: Wie wurde dieses Problem gelöst, umgangen oder abgeschwächt? Wer wird von den etablierten Systemen seiner Vorstellung am ehesten gerecht, bequem und mit möglichst wenigen Verlusten Geld von A nach B zu transportieren?


Ich bin im Laufe der letzten Zeit an zwei Services geraten. Einen kennt bestimmt fast jeder: Flattr. Den anderen fand ich eher durch Zufall, war aber von dem Konzept recht angetan: TipTheWeb.


Fangen wir bei den grundlegenden Prinzipien an: Bei Flattr gibt es Anbieter, die ihre Inhalte bei der Website registrieren und Benutzer, oder Konsumenten, die Geld bei Flattr einzahlen, welches durch Klicks auf die Flattr-Buttons auf den Websites der Anbieter zu gleichen Teilen verteilt wird. Laut der FAQ behält Flattr für die Dienstleistung einen Anteil von 10 %. Kurios ist jedoch, dass man beim Einzahlen sofort eine Aufrechnung vorgehalten bekommt, welcher Betrag auf dem Flattr-Konto des Benutzers landet und welcher Betrag für Transfergebühren abgezogen wird. Hier fällt auf: Die Gebühren für das Einzahlen sind bei niedrigen Beträgen sehr hoch. Ein paar probeweise eingegebene Beträge enthüllen bei einem Euro eine stattliche Kuchenscheibe von 38 %, welche als Gebühr abgeführt wird. Bei höheren Beträgen sinkt dieser Anteil immerhin recht schnell. Bei fünf Euro liegt er bei 9,6 %, bei zehn Euro bei 6.9 %, bei 100 Euro sind es noch 3,75 %.

Von dem Geld, das übrig bleibt, werden dann noch 10 % an Flattr abgezweigt. Doch was fällt dem geneigten User dann noch auf? Die Zahlung wird über PayPal veranlasst. Mit anderen Worten, die Prozente hier sind die Abzüge, die PayPal sich in die Tasche steckt bzw. noch mit den Kreditkartenunternehmen/Banken teilt.

Ist das Geld schlussendlich eingezahlt, können nun fleißig Klicks an die Anbieter verteilt werden. Doch Vorsicht: Wer einen ganzen Monat lang versehentlich nichts anklickt, dessen monatlich abgestellter Betrag für Flattr-Klicks wird an eine gemeinnützige Organisation verschenkt, mit anderen Worten, das Geld geht verloren und wird nicht für den eigentlich geplanten Zweck verwendet.

Dies ist einer meiner Kritikpunkte an Flattr: Man ist gezwungen, das System auch kontinuierlich zu nutzen, ansonsten passiert etwas, wenn auch nicht so dramatisches, wozu man dem System eigentlich nicht beigetreten ist. Was ich auch an dem Konzept nicht mag ist die Verteilung. Man hat keinerlei Kontrolle über die konkreten Beträge, welche pro Klick dem Anbieter zugewiesen werden. Wer zum Henker würde schon ernsthaft alle Klicks des Monats zählen und notieren, wohin geklickt wurde, nur um sicher zu stellen, dass jeder einen dem Willen des Nutzers entsprechenden Betrag erhält?


Enter TipTheWeb. Zu aller erst schiebe ich die Kritik vor: Auch TipTheWeb ist nicht perfekt in Sachen Ein- und Auszahlsystem. Derzeit gibt es noch Probleme, wie man das Geld den Leuten zukommen lässt, insbesondere wenn es Nicht-USA-Staatsbürger sind. Allerdings macht das System Fortschritte, und bisher gefällt mir, was ich da sehe. Ebenso wird für die Transaktionen PayPal genutzt, was zu den oben beschriebenen Problemen führen kann. Leider gibt es offenbar keine tragbare Alternative zu PayPal, um Geld wirklich online von einem Konto zum anderen zu bewegen, oder irre ich mich da? Hinweise in den Kommentaren sind gern gesehen.

So viel mal zu den negativen Aspekten. Aber generell gefällt mir der Rest des Ansatzes: TipTheWeb ist eine Non-Profit-Organisation, oder zumindest wird das so angegeben, was bedeutet, dass 100 % des auf das Konto des Nutzers übertragenen Geldes auch zur Verfügung stehen, um es an Anbieter zu verteilen. Logischer Weise, wie bei anderen PayPal-Zahlungen auch üblich, wird wohl beim Auszahlen des Betrags beim Anbieter der typische PayPal-Prozentsatz fällig (siehe oben).

Stichwort Verteilen: Wie wird denn nun bei TipTheWeb das Geld an den Mann bzw. Frau gebracht? Es gibt da zwei Möglichkeiten: Man "tipped" eine beliebige URL durch einen Klick auf ein Bookmarklet, das man im Browser abgelegt hat. Oder man klickt auf den hübschen "Tip"-Button auf der Website des Anbieters. Doch hier werden nicht die Klicks gezählt wie bei Flattr, statt dessen wird ein kleines Fenster geöffnet, in dem man einen beliebigen Betrag, bei 0,05 $ beginnend, dem Anbieter spenden kann. Auch größere Beträge wie bis zu 100 $ sind möglich.

In dieser Hinsicht ist Tip The Web deutlich Flattr überlegen: Man kann den exakten Betrag festlegen, der gespendet wird, und es werden keine zehn Prozent davon abgezwackt. Der Service, so wird es gesagt, finanziert sich selbst von diesen Tips, die die Nutzer an den Betreiber spenden. Es ist natürlich auch nicht auszuschließen, dass die Organisation irgendwie mit PayPal verknüpft ist, doch darüber habe ich keine Informationen. Wer weiß. Update: Wie mir die Gründer von TipTheWeb versichern, finanzieren sie den Dienst über Spenden, die sie über ihren eigenen Service erhalten und sind nicht mit PayPal liiert.


Fazit: Flattr mag weit verbreitet sein, hat jedoch durch den Abzug von 10 % und der unkontrollierbaren Verteilung des Geldes kombiniert mit dem monatlichen Partizipationszwang deutliche Nachteile gegenüber TipTheWeb. Natürlich ist TTW auch nicht perfekt, gefällt mir aktuell aber besser. Als Anbieter dieser Internetseite werde ich weiterhin beide nutzen. Ich bin gespannt, wie sich der Markt und diese Angebote weiter entwickeln.


Generell ist es aber begrüßenswert, dass es diese Services gibt und ihre Benutzung ist absolut empfehlenswert, wenn man Dinge, die man mag, finanziell unterstützen möchte!


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